Schärfentiefe.....Tiefenschärfe

    • Schärfentiefe.....Tiefenschärfe

      Hallo an alle Fotofreaks.
      Heute möchte ich versuchen mit einfachen Worten und Beispielen euch das Thema Schärfentiefe zu erläutern.
      Im Vorweg möchte ich einfügen das sich meine Angaben immer auf Spiegelreflexkameras mit dem APS-C-Sensor beziehen.

      Als Schärfentiefe bezeichnet der Fotograf den Bereich im Bild wo jedes Objekt mit einer maximalen Schärfe dargestellt wird.
      Dieser Bereich ist in seiner Größe, besser gesagt in seiner Tiefe von verschiedenen Faktoren abhängig.
      Besonders die Zoom-Freunde unter uns sollten sich mit diesem Thema ausgiebig beschäftigen.

      So wirkt die Blende: Je größer die eingestellte Blende ist, desto keiner ist der Schärfentiefebereich.

      So wirkt die Fokusierte Entfernung: Je kürzer der Abstand zum Fokusierten Objekt, desto kleiner ist die Schärfentiefe.
      Das wäre für uns ja quasi ideal, 5 m weg vom Becken, ein 200mm Tele und dann den Fisch formatfüllend bannen, wenn da nicht ein dritter sehr entscheidender Faktor dazu käme der alles wieder zur Nichte macht:

      So wirkt die verwendete Brennweite: (egal ob Zoomobjektiv oder Festbrennweite)
      Je kürzer die Brennweite desto größer die Schärfentiefe.
      Schade, denn dieser Umstand zwingt uns wieder mal zu Kompromissen.

      Somit begeben wir uns in die Realität. Unsere Fische sind relativ kleine Objekte, der Abstand zur Aquarienscheibe sollte möglichst gering ausfallen um alle störenden Kratzer, Schmutz, Spiegelungen außerhalb in unserem Fall zwingend VOR den Schärfentiefenbereich zu bringen. Der Fisch ist nun mal leider HINTER der Scheibe. Diese Faktoren können wir nicht ändern, also rann an die restlichen Zwei.

      1.)Wir können mit genügend Licht im Becken versuchen die Blendenöffnung möglichst klein zu halten...
      Damit die benötigte Belichtungszeit nicht zu lange wird, was letztendlich nur Bewegungsunschärfe ins ganz Bild bringen würde, kann man nur die Lichtempfindlichkeit, den ISO-Wert erhöhen, mehr Licht in´s Spiel bringen oder lichtstärkere Objektive kaufen.

      2.) Die Brennweite des Objektives in moderate Grenzen setzen. Entweder durch den Zoomfaktor oder eben Festbrennweitenogjektive in der entsprechenden Art. In unserem Fall haben sich Objektive von 60 bis 100 mm Brennweite als günstig erwiesen.
      Die Naheinstellgrenz sollte möglichst gering sein. Sogenannte MAKRO-Objektive, welcher Bauart auch immer, haben meisten einen Minimalabstand zum Objekt von wenigen Zentimetern.. Handybesitzer freut euch, diese Miniobjektive und der super kleine Chip bringen da große Vorteile. Man kann mit den Dingern ganz nah rann und der kleinste Fisch ist riesengroß im Vergleich zum Sensor.

      Sehr kurze Brennweiten bei der DSLR sind vorteilhaft bei der Landschaft oder Gebäudefotografie.
      Der starke verkeinerungseffekt ist da ja dringend angesagt und bei kleiner Blende reicht da die Schärfentiefe von wenigen Metern bis Unendlich.
      Nützt uns nix.... Unser Fisch soll möglichst 1:1 oder wenig drüber auf dem Chip landen.
      Das Objekt darf nur wenig verkleinert werden... Also müssen wir möglichst nah ans Objekt.

      Jetzt kommt der aufmerksame Tierfilmbetrachter und fragt: Wieso sitzen die leute mit sündhaft teuren Teleobjektiven in der Natur?
      Kann ich mich doch bequem vom Sofa aus auch mit meinen neu erstandenen 200mm Tele meine Fische auf den Sensor zaubern, oder?

      Schön wär´s... wird nix, leider.... diese Leute haben nur einen einzigen Grund warum Sie so verfahren: Hohe Fluchtdistanz der Tiere oder des Fotografen.... Beides ist das Gleiche, der scheue Vogel verkrümelt sich ganz schnell und wer sitzt schon gerne mit der Kamera in der Hand mitten in einem Löwenrudel.... und sie haben einen riesigen Vorteil: Zwischen ihrer Linse und den Löwen ist keine Scheibe.... schon mal versucht im Zoo durch eine Scheibe zu knipsen? Ergebnis: Ganz nah an die Scheibe dann geht´s.....

      Und damit wären wir wieder am Anfang des Themas, dann liegt die Scheibe VOR dem Tiefenschärfenbereich und wird nahezu unsichtbar.
      Und nicht vergessen, der Schärfentiefenbereich liegt IMMER parallel zum Kamerasensor!
      Wer zu schräg zur Scheibe fotografiert, dem läuft gewissermaßen die Scheibe irgendwann unschön und unbedacht einfach ins Bild...

      Ich habe mich gestern Abend vor mein Becken mit den neuen Tanganjika-Mini-Barschen gesetzt, eine Hand voll Bilder für Euch erstellt welche genau die Problematik der Schärfentiefe zeigen. Alle Bilder, welche auf Grund von Bewegungsunschärfe unbrauchbar waren sind da nicht dabei. Alle Fische, oder Teile davon, welche dem Betrachter unscharf erscheinen, tun dieses nur aus einem Grund:
      Diese Bereiche lagen außerhalb der Schärfentiefe-Ebene. Alle Bilder sind mit 60mm Brennweite und einem lichtstarken Makro-Objektiv entstanden. Iso-Wert: 800 Autofokus nur auf dem mittleren Kreuzsensor. Blenden von 2.4 bis 5.6 mehr ging nicht, sonst wäre der Blitz nötig gewesen. den habe ich absichtlich nicht zum Einsatz gebracht. Das wird ein gesondertes Thema.
      Die Fische waren min 3cm bis max 10cm von der Linse entfernt und sind nur 3-4cm groß und haben relativ wenig Farbkontraste. Was die Sache nicht einfacher macht.
      Schaut euch die Bilder an, Fragen werde ich gerne beantworten.

      Bild 1: [bild]http://www7.pic-upload.de/04.02.11/7btg6ml3njf6.jpg[/bild]

      Bild 2: [bild]http://www7.pic-upload.de/04.02.11/4ok6injcpt3a.jpg[/bild]

      Bild 3: [bild]http://www7.pic-upload.de/04.02.11/cr2jdnenbwg1.jpg[/bild]

      Bild 4: [bild]http://www7.pic-upload.de/04.02.11/od2zqpshzjdr.jpg[/bild]

      Bild 5: [bild]http://www7.pic-upload.de/04.02.11/zziw49ob55ai.jpg[/bild]

      Bild 6: [bild]http://www7.pic-upload.de/04.02.11/76h61acjv5.jpg[/bild]

      Bild 7: [bild]http://www7.pic-upload.de/04.02.11/zqy712n4znac.jpg[/bild]

      Bild 8: [bild]http://www7.pic-upload.de/04.02.11/8wg3juq48key.jpg[/bild]

      Bild 9: [bild]http://www7.pic-upload.de/04.02.11/zhxzev5fuoap.jpg[/bild]

      Bild 10: [bild]http://www7.pic-upload.de/04.02.11/slxwaeirhspg.jpg[/bild]
      Gruß aus Berlin-Schöneberg
      Kalle
      Geht´s den Fischen gut, geht´s mir gut...



      Mitglied im VDA und Aquarienfreunde Anubias Spandau
    • Re: Schärfentiefe.....Tiefenschärfe

      Jo Micha... einfach probieren.... alles lassen, nur die Blende verändern > und dann sieht man die Unterschiede...
      die Schärfentiefe bei solchen Nahaufnahmen beträgt nur wenige Millimeter... da muss alles was scharf werden soll auch drinn sein...
      Alles Weitere in den nächsten Berichten.... da kommt noch einiges an Problemen dazu....
      Gruß aus Berlin-Schöneberg
      Kalle
      Geht´s den Fischen gut, geht´s mir gut...



      Mitglied im VDA und Aquarienfreunde Anubias Spandau
    • Re: Schärfentiefe.....Tiefenschärfe

      Hallo Kalle,

      Sehr schöne und anschauliche Erläuterung, finde ich gut verständlich!

      Was ich den Bildern und dem Text nicht genau entnehmen kann - inwieweit hast Du die Schärfentiefe bei den Bildern denn variiert und wäre es möglich, diese Werte bei den Bildern noch nachzureichen? Die werden ja glaube ich auf dem heimischen Computer ausgewiesen, nur eben hier im Netz nicht.

      Bei sich bewegenden Objekten wie Fischen ist es natürlich schwierig, Vergleichsbilder zu machen, um das Prinzip der unterschiedlichen Blenden so anschaulich darzustellen.

      Und eine kleine Ergänzung hätte ich noch aus eigener Erfahrung: Mit Erhöhung der ISO lässt sich zwar die Lichtempfindlichkeit erhöhen (also ist weniger Licht / eine kurzere Verschlusszeit notwendig oder größere Tiefenschärfe bei ansonsten gleichen Werten möglich), allerdings erhöht sich auch zunehmend stark ein "Rauschen" in den Bildern. Spielt weniger eine Rolle, wenn die Bilder nachher sowieso verkleinert werden, aber gerade im hochauflösenden bzw. Druckbereich würde ich persönlich einen möglichst niedrigen ISO-Wert bevorzugen.

      Gruß,
      Daniel
    • Re: Schärfentiefe.....Tiefenschärfe

      Hallo Daniel, wenn ich die Bilder noch finde, schreib ich die Werte noch dazu.
      Alles richtig was du über den ISO-Wert schreibst.
      Die meisten User hier verwenden ihre Fotos nur im Net oder am Bildschirm.
      Also bei solchen Bildern, wie denen hier verwendeten, konnte ich selbst bei ISO 1600 noch kein Rauschen finden.
      Wenn es dennoch einmal auftreten sollte, lässt es sich bei .RAW - Format sehr gut ausfiltern.
      Ich drucke auch nur sehr selten Bilder auf Papier... von daher hab ich mit Ausdrucken keine Erfahrungswerte.
      Größer als 10*15 hab ich noch nie gebraucht. Ist mir einfach auch zu teuer. Das überlasse ich dann lieber meinem Fotohändler um die Ecke.
      Der hat ein sehr gutes Labor und ist preislich günstiger als mancher Internetanbieter.

      Ich suche mal die Werte, dann wird ergänzt....
      Danke für deinen Beitrag
      Gruß aus Berlin-Schöneberg
      Kalle
      Geht´s den Fischen gut, geht´s mir gut...



      Mitglied im VDA und Aquarienfreunde Anubias Spandau
    • Re: Schärfentiefe.....Tiefenschärfe

      So, als berechtigt geforderte Ergänzung zum Beitrag:

      Die Aufnahmedaten der Bilder:
      EOS 500D, EF-S 60 USM Macro

      Blende: 2.8
      Belichtung zw. 1/20 bis 1/60 Sek. Selektiv
      Korrektur: minus 1/3
      ISO: 800
      Weißabgleich: Automatisch
      Fokus: manuell

      Beleuchtung: Eine Röhre mit 5600°K, eine mit 6800°K aber nicht mehr die Jüngsten Exemplare. Kein Blitz.
      Gruß aus Berlin-Schöneberg
      Kalle
      Geht´s den Fischen gut, geht´s mir gut...



      Mitglied im VDA und Aquarienfreunde Anubias Spandau